Wie schützt du dich vor Volkskrankheiten? Das sagt der Experte

Dr. Dr. Michael Despeghel

Wusstest du, dass wir es zu 70 Prozent selbst in der Hand haben, ob uns häufige Volkskrankheiten treffen? In Teil 1 unserer Gesundheitsreihe mit dem Experten Dr. Dr. Michael Despeghel erfährst du, warum es höchste Zeit für einen Neuanfang ist…

 

Herr Dr. Dr. Despeghel, was ist falsch an der Lebensweise der Deutschen?

Despeghel: Unsere Großeltern sind im Schnitt noch acht Kilometer täglich zu Fuß gegangen. Heute laufen wir kaum noch und sitzen dagegen durchschnittlich 9,3 Stunden pro Tag: im Büro, im Auto, vor dem Fernseher. Zusammen mit rund 7,7 Stunden Schlaf ergibt das 17 Stunden ohne Bewegung. In der Konsequenz fährt der Grundumsatz nach unten, der Stoffwechsel verändert sich, und es entstehen Entzündungsprozesse – der häufigste Auslöser für Zivilisationskrankheiten. Zum Bewegungsmangel kommt hinzu, dass wir zu viel essen, zu lange arbeiten und zu wenig schlafen. Das alles zusammen ergibt ein brisantes Problem.

Mit welchen Folgen?

Despeghel: Der passive Lebensstil ist Hauptursache für Herz-Kreislauf- und Tumorerkrankungen. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts gibt es in den Industriestaaten einen Panoramawandel. Zuvor waren schlechte Hygiene und Infektionen zentrale Ursachen für Krankheiten. Heute sind das Bewegungsmangel, Fehl- und Überernährung sowie ein dauerhaft hohes Stressniveau.

Welche Rolle spielt der Metabolismus im Zusammenhang mit Volkskrankheiten?

Despeghel: Dauersitzen hat einen schlechten Einfluss auf den Stoffwechsel. Das metabolische Syndrom gilt neben Rauchen als Hauptrisikofaktor für arterielle Erkrankungen. Gemeint ist damit das Zusammenspiel des so genannten tödlichen Quartetts: Blutdruck, Blutzucker, LDL-Cholesterin und bauchbetontes Übergewicht schrauben sich drastisch nach oben.

Was ist schlimm an einem dicken Bauch?

Despeghel: Im Gegensatz zum Bauchfett sind Polster an Armen und Oberschenkeln rein kosmetischer Natur. Riskant ist das viszerale Fett, das die Eingeweide umschließt. Es löst gefährliche Entzündungsprozesse aus.

Haben Sie auch eine gute Nachricht für uns?

Despeghel: Wir können viel dagegen tun. Durch einen gesunden Lebensstil senken wir das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 70 Prozent.

Wie sieht ein gesunder Lebenswandel aus?

Despeghel: Unser Herz dankt uns einen bewegten Lebensstil mit viel moderater Bewegung sowie regelmäßigem Ausdauer- und Krafttraining. Auch eine ausgewogene Ernährung gehört dazu. Bauen wir obendrein noch Stress ab, gehen regelmäßig zur Vorsorge, verzichten auf Glimmstängel, vergessen die Sonnenmilch nicht und arbeiten an unserer Zufriedenheit, reduzieren wir das Risiko eines Tumors um 50 Prozent.

Handfeste Tipps, die uns das gesunde Leben leichter machen, geben Sie in den nächsten Teilen unserer neuen Gesundheitsreihe. Verraten Sie uns eines vorab: Woher wissen wir, wo genau wir ansetzen müssen?

Despeghel: Tatsächlich war es bis vor kurzem noch schwierig, Stärken und Schwächen unseres Lebensstils im Detail aufzudecken. Ein Blick in den Spiegel reicht dafür nicht aus. Deshalb habe ich zusammen mit Fitness First einen Test entwickelt, der tiefer geht. Der FitnessCheck erfasst alle relevanten Aspekte: Bewegung, Ernährung und Lebenswandel.

Rund 250.000 Menschen leben nach Ihren Gesundheitskonzepten. Wie ist das mit Ihnen – lassen Sie mal Fünfe gerade sein?

Despeghel: Ab und an esse ich Schokolade. Wird es mal zu viel, steuere ich mit ausgewogener Ernährung dagegen. Grundsätzlich muss man eine gesunde Mitte finden. Umgestiegen bin ich mit meiner Ernährung mit 16 Jahren, als ich sehr übergewichtig war. Seitdem achte ich darauf, regelmäßig gesunde Lebensmittel zu mir nehmen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Gesundheitscoach zu werden?

Despeghel: Den Ausschlag gab während des Studiums mein Professor Wildor Hollmann, der das Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin in Köln gegründet hat. Er riet mir, mich auf das Thema Prävention zu konzentrieren. Ich habe schließlich Sportmedizin und Philosophie vereint: Den Menschen im ersten Schritt nahebringen, was man machen kann, und im zweiten Schritt, wie man dies auch tatsächlich umsetzt.

Sie empfehlen Stressabbau und Zufriedenheit als Prävention gegen das Krankwerden. Was macht Sie glücklich?

Despeghel: Glück ist für mich ein Tag, an dem man aufwacht und frei von Alltagssorgen ist, ohne böse Gedanken an den Job, ohne Streit mit der Liebsten. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und freue mich auf jeden Tag.

Wichtig ist es, sich Zeit für sich zu nehmen, auch mal in den Tag hineinleben, ohne feste Regeln und Vorgaben. Glücklich macht es, raus in die Natur zu gehen. Und sich mit Menschen zu umgeben, die einem gut tun.

Welche Sportarten betreiben Sie?

Despeghel: Vier- bis fünfmal die Woche gehe ich zum Spinning und zu freestyle, dem funktionellen Training von Fitness First. Außerdem liebe ich das Klettern, Bergsteigen, Cyceln und Skifahren. Ich achte darauf, täglich etwas zu machen. Mittlerweile ist das zur Gewohnheit geworden, und mein Körper verlangt danach.

Was tun Sie gern, wenn Sie nicht trainieren oder arbeiten?

Despeghel: Spazieren in der Natur, lesen, Theater, Kino und gutes Essen.

Was geben Sie unseren Lesern zum Schluss mit auf den Weg?

Despeghel: Es ist nie zu spät, gesünder zu leben. Macht den FitnessCheck, um zu wissen, wo ihr steht, und sattelt um auf einen achtsamen, gesunden Lebensstil!

Wie du dein Herz stärkst, liest du im zweiten Teil unserer Gesundheitsreihe.