So beugst du Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor

Frau joggt draußen und drückt auf iPhone

Sie sind die Volkskrankheit Nummer Eins: Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Warum Blutdruck- und Cholesterinwerte nicht nur ältere Menschen angehen? Wie du dich schon heute schützen kannst, erfährst du vom Experten Dr. Dr. Michael Despeghel …

 

Herr Dr. Dr. Despeghel, was versteht man unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Despeghel: Sämtliche Krankheiten, die Herz und Blutkreislauf betreffen. Bleiben sie unentdeckt, können sie zu Herzinfarkt, Schlaganfall oder Thrombose führen.

Was macht sie zur Volkskrankheit Nummer Eins?

Despeghel: Wir sitzen zu viel, und das mit steigender Tendenz. Vor 100 Jahren bewegten sich die Deutschen durchschnittlich zehn bis zwölf Stunden pro Tag. Heute sind davon zehn bis 20 Minuten übriggeblieben. Im Schnitt sind das nicht mehr als 250 Meter am Stück. Eigentlich kein Wunder: Jährlich gibt es 30.000 Erfindungen, die das Leben leichter und damit bewegungsärmer machen. Zu viel Alltagsstress, zu wenig Schlaf und unausgewogene Ernährung verschlimmern die Lage noch. Ein weiterer großer Risikofaktor ist das Rauchen.

Welche Konsequenzen hat diese Entwicklung?

Despeghel: Seit den 50er Jahren ist das so genannte metabolische Syndrom bekannt: Erhöhte Werte für Blutdruck, Blutzucker, Blutfettwerte sowie Übergewicht ergeben zusammen eine hochgefährliche Mischung. Heute leidet bereits ein Viertel aller Deutschen an diesem Syndrom. Wie riskant das ist, wird häufig unterschätzt. An Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben mehr Menschen als an anderen Volkskrankheiten.

Kann ich etwas tun, damit es nicht zu Herz-Kreislauf-Erkankungen kommt?

Despeghel: Das ist das Gute daran: Wir können dieses Risiko sogar deutlich senken. Ungesunder Lebensstil ist die größte Gefahr für unser Herz. Stellen wir uns um und leben wir bewusster, können wir die Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um bis zu 70 Prozent reduzieren.

Welche Präventivmaßnahmen empfehlen Sie?

Despeghel: Alles richtig macht, wer sich mehr bewegt, gesünder ernährt und stärker auf sich achtet. Dazu gehört es auch, Blutdruck- und Cholesterinwerte im Blick zu halten.

Ist das nicht nur für Senioren ein Muss?

Despeghel: Die eigenen Blutdruck- und Cholesterinwerte zu kennen, ist für jeden wichtig. Man sollte so früh wie möglich damit beginnen, achtsam mit seinem Körper umzugehen. Auf der anderen Seite ist es auch nie zu spät, sein Leben umzustellen.

Wie hoch sollten die Blutdruckwerte im Idealfall sein?

Despeghel: Optimal ist ein Blutdruck zwischen 120/80 und 130/85 mmHG. Liegt er auf Dauer weit darüber, sollte man die weitere Vorgehensweise mit dem Arzt absprechen.

Wofür stehen die beiden Blutdruckwerte?

Despeghel: Der untere Wert ist das Grundrauschen in den Blutgefäßen. Ist es dauerhaft zu stark, sind die Gefäße chronisch eng gestellt. Der obere Wert misst die Kraft, mit der sich das Herz zusammenzieht und das Blut in den Blutkreislauf schießt. Liegt dieser Wert langfristig über der Norm, ist das so, als würde man eine Tür aus den Angeln heben, indem man sie immer wieder mit voller Kraft zuschlägt.

Wie bekomme ich Bluthochdruck unter Kontrolle?

Despeghel: Es gibt hervorragende Präventivmaßnahmen. Reduziert sich der Konsum von Salz täglich um drei Gramm, sinkt das Risiko für Bluthochdruck

 

um ein Viertel. Trinkt man zudem weniger Alkohol, bewegt sich viel und baut Übergewicht hab, kann man den Blutdruck um 20 bis 40 mmHG senken.

Sie raten dazu, auch die Blutfettwerte im Blick zu halten. Warum spricht man vom guten und schlechten Cholesterin?

Despeghel: Cholesterin ist wichtig für die Zellwände und die Hormonbildung. Das gute Cholesterin – das HDL – hält in den Gefäßen das böse Cholesterin, LDL genannt, im Zaum. Dabei kommt es auf das korrekte Verhältnis zwischen den beiden Werten an. Das LDL sollte unter 160 mg/dl liegen, das HDL mindestens bei 40 mg/dl, noch besser wären 60 oder 70 mg/dl. Es gibt einen schönen Merksatz dazu: LDL ist das Lass-das-lieber-Cholesterin, HDL das Hab-dich-lieb-Cholesterin.

Wie verbessere ich meine Cholesterinwerte?

Despeghel: Mit einem Teelöffel Olivenöl am Tag, reichlich Ballaststoffen, Äpfeln, Birnen, blauem Obst und ein paar Walnüssen. Der Genuss von Alkohol sollte auf ein kleines Glas pro Tag reduziert werden.

Damit sind wir beim Thema Ernährung. Wieweit trägt sie dazu bei, einem Herzinfarkt vorzubeugen?

Despeghel: Gesunde Ernährung ist einer der Faktoren, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erheblich reduzieren. Es gibt eine einfache Regel: 500 Gramm Gemüse und zwei Portionen Obst am Tag. Doch zur gesunden Ernährung gehört unbedingt auch regelmäßige Bewegung.

Welche Art von Sport stärkt das Herz-Kreislauf-System?

Despeghel: Zweimal pro Woche Ausdauertraining und einmal pro Woche Intervalltraining. Insgesamt sollte man in diesem Zeitraum 2.000 Kalorien verbrennen.

Ist mein Pflichtpensum damit erbracht?

Despeghel: Wenn man in der restlichen Zeit nur noch sitzt, reicht auch das regelmäßige Training nicht aus. Viel moderate Bewegung im Alltag ist unverzichtbar, etwa alle 45 Minuten bei der Arbeit aufstehen, sich dehnen, laufen. Treppen steigen und nicht den Aufzug nehmen. Oder früher aus der U-Bahn steigen und das letzte Stück zu Fuß gehen. Es gibt viele Möglichkeiten, den Körper in Bewegung zu bringen.

Drei Tipps in aller Kürze?

Despeghel: Erstens, achte auf viel Bewegung und ausgewogene Ernährung. Zweitens, halte deinen Blutdruck im Auge. Und drittens, führe regelmäßig einen guten Fitnesstest durch, der dir zeigt, wo du stehst. Der FitnessCheck, den ich zusammen mit Fitness First entwickelt habe, ist so ein Test: Er berücksichtigt alle wichtigen Aspekte der Lebensführung.

Welcher Lebensstil vor Tumoren schützt, erfährst du im dritten Teil unserer Gesundheitsreihe!