Ausgeglichener Stoffwechsel: So wird dein Körper zum Kraftwerk

Metabolismus

Was hat die Currywurst mit dem Stoffwechsel zu tun? Die Antwort, und was du tun musst, damit dein Körper kein gefährliches Bauchfett bildet, erfährst du im letzten Teil unserer Gesundheitsreihe mit dem Experten Dr. Dr. Michael Despeghel …

 

Herr Dr. Dr. Despeghel, warum werden wir Deutsche immer dicker?

Despeghel: Wir sitzen ganz einfach zu viel. 540 Minuten Dauersitzen am Tag sind der Normalfall. Die Situation spitzt sich weiter zu, weil wir dem Körper zu wenig Ausgleich zu langen Arbeitstagen geben, etwa in Form von Training und ausreichend Schlaf. Ungesundes Essen ist ein weiterer Risikofaktor. Die Mahlzeit, die in Deutschlands Kantinen am stärksten nachgefragt wird, heißt Currywurst mit Pommes.

Wie wirken sich Dauersitzen und Currywurst auf den Körper aus?

Despeghel: Bei Übergewicht entstehen um die Organe herum Fettzellen, die deutlich größer sind als normale Fettzellen. Dieses viszerale Fett ist unter dem Namen Bauchfett bekannt.

Welche Rolle spielt das Bauchfett genau?

Despeghel: Es spielt eine zentrale Rolle: Dieses Fettgewebe regelt das Zusammenspiel verschiedenster Zelltypen und trägt damit zur Steuerung des Gesamtorganismus bei. Es reguliert durch Fettgewebshormone nicht nur den Metabolismus, also den Stoffwechsel, sondern auch eine Vielzahl anderer Prozesse wie Appetit und Entzündungen. Wächst das Bauchfett, ist das der Anfang einer Kette fataler Entwicklungen.

Was macht Bauchfett so gefährlich?

Despeghel: Bauchfett steigert das Krebsrisiko und schwächt die Knochen. Es hemmt Hormone, die gegen Entzündungen ankämpfen, und begünstigt die Entstehung des metabolischen Syndroms. Darunter versteht man das gefährliche Zusammenspiel von erhöhten Blutfettwerten, Bluthochdruck, zu viel Blutzucker und Übergewicht. Zu den Folgen können etwa Diabetes Typ II oder ein Herzinfarkt gehören.

Welche Maßnahmen gezielt vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen, beschreiben sie im zweiten Teil unserer Gesundheitsreihe. Warum eigentlich können wir von Süßem und Fettigem einfach nicht genug bekommen?

Despeghel: Vor allem auf die Kombination aus süß und fettig reagiert das Belohnungssystem des Gehirns, zum Beispiel auf Käsekuchen oder Schokolade. Weil das Bauchfett die Ausschüttung der Hormone Leptin, Adiponektin und Serotonin stört, verpassen wir den Zeitpunkt, an dem wir uns gesättigt fühlen sollten, und essen weiter. Obendrein schlägt uns ein Mangel am Glückshormon Serotonin noch auf die Stimmung.

Es heißt aber doch, Schokolade mache glücklich. Stimmt das nicht?

Despeghel: Übertreibt man es mit der Schokolade, ist das Glück von kurzer Dauer. Neurotransmitter, das sind Botenstoffe, lösen schöne Gefühle in unserem Gehirn aus – zum Beispiel durch Bewegung oder auch durch Schokolode, Nudeln oder Rotwein, die Serotonin enthalten. Ein Übermaß dieser Lebensmittel führt allerdings zu der besagten viszeralen Fettansammlung – und die macht uns auf Dauer müde, matt und unzufrieden. Intuitiv greift man als Trost zur Schokolode. So nimmt der Teufelskreis kein Ende.

Woran erkenne ich, dass ich bereits im Teufelskreis stecke?

Despeghel: Das ist ganz leicht: mit einem Maßband. Misst die Taille eines Mannes etwa 94 Zentimeter, ist alles im Lot. Ab 102 Zentimetern sollte man aufmerksamer werden, bei 112 Zentimetern wird es riskant. Entsprechend gilt für Frauen: 80 Zentimeter Taillenumfang sind prima, bei 88 Zentimetern wird es langsam bedenklich und ab 94 Zentimetern gefährlich.

Kommt man aus dem Teufelskreis wieder heraus?

Despeghel: Ja, indem man für einen ausgeglichenen Stoffwechsel sorgt. Das bedeutet, sich regelmäßig und über den Tag verteilt zu bewegen und parallel die Ernährung umzustellen. Dazu muss man wissen, dass Süßes wie Donuts, Muffins oder zuckerhaltige Durstlöscher zu einer vermehrten Insulinausschüttung im Körper führt. Insulin ist ein wichtiges Hormon, das dafür da ist, den Blutzuckerspiegel zu senken. Hohe Insulinwerte hemmen allerdings die Fettverbrennung.

Kann ich die Insulinausschüttung reduzieren?

Despeghel: Der Körper beginnt erst drei Stunden nach dem Essen, Insulin abzubauen. Deshalb gilt zum einen die Regel, mit der nächsten Mahlzeit vier bis fünf Stunden zu warten. Zum anderen gehören Lebensmittel mit einem geringen Glykämischen Index auf den Teller oder ins Glas.

Was versteht man unter dem Glykämischen Index?

Despeghel: Einfach ausgedrückt ist das der Anteil an Kohlenhydraten in 100 Gramm eines Lebensmittels. Der Glykämische Index erfasst die Nährstoffdichte unseres Essens: Je höher sie ausfällt, desto mehr Insulin produziert der Körper.

Woran erkenne ich die Nährstoffdichte?

Despeghel: Auf den meisten Lebensmitteln ist die Nährstoffdichte aufgedruckt. Nahrungsmittel im Supermarkt zu finden, mit denen man gesund abnehmen kann, ist deshalb gar nicht schwer. Gemüse und viele Obstsorten gehören zu diesen Lebensmitteln. Nehmen wir zur Veranschaulichung etwa Gummibärchen und Himbeeren. 100 Gramm Gummibärchen enthalten rund 300 Kilokalorien – kleine Portion, große Kalorienzahl. Dagegen kommen 100 Gramm Himbeeren nur auf etwa 80 Kilokalorien. Gleiche Menge, weniger Input.

Was gibt es noch für Beispiele?

Despeghel: Einen Glykämischen Index, der unter 125 Kilokalorien pro 100 Gramm liegt, besitzen Haferbrei, Erdnüsse und eben auch Gemüse. Krasse Gegenbeispiele sind Weißmehlprodukte wie Cornflakes, Bratkartoffeln, Süßigkeiten im Allgemeinen und Bier. Sie begünstigen Fettablagerungen, sollten also nur in Maßen genossen werden.

Dürfen wir uns das Leben gar nicht mehr versüßen?

Despeghel: Gott sei Dank ist das nicht nötig. Es reicht, den Konsum an manchen Tagen einzuschränken, etwa im Verhältnis 4:3 oder 5:2. Das bedeutet, an zwei von sieben Tagen darf man auch mal sündigen.

Cheat Days sind also erlaubt. Gilt das auch für das Thema Bewegung?

Despeghel: Wer sich viel bewegt, kann es sich getrost erlauben, mal die Beine hochzulegen. Mindestens zweimal pro Woche gehören Kraft- und Ausdauertraining ins Programm. Denn zu den vielen guten Eigenschaften von Muskeln zählt, dass sie die Fettverbrennung ankurbeln. Auch tägliche, moderate Bewegung ist essenziell für die Gesundheit. Wer bei der Arbeit viel sitzt, sollte alle 45 Minuten aufstehen, sich strecken und umhergehen. Und zur Regeneration müssen wir ausreichend schlafen und Erholungspausen einlegen.

Wie lautet Ihr Gesundheitskonzept in aller Kürze?

Despeghel: Erhöhe den Genuss durch bessere, hochwertige Lebensmittel. Iss viel Gemüse und Obst und streiche komplexe Kohlenhydrate an manchen Tagen der Woche vom Ernährungsplan. Mach den FitnessCheck und finde heraus, wo du stehst und an welchen Stellen dein Training ansetzen kann, um deinen Körper in ein buchstäbliches Kraftwerk zu verwandeln.

Haben Sie zum Abschluss drei Tipps für unsere Leser?

Despeghel: Erstens: Bewege dich viel und ernähre dich gesund. Zweitens: Umgib dich mit glücklichen Menschen, denn Glück kann ansteckend wirken. Wer glücklich ist, verkraftet Misserfolge besser. Bedanke dich abends vor dem Einschlafen dafür, dass die meisten Dinge in deinem Leben recht gut laufen. Das führt zur vermehrten Ausschüttung von positiven Stoffen. Drittens: Achte darauf, ausreichend zu schlafen, mindestens zweimal in der Woche acht Stunden. Der Körper ist in der Lage, Schlafmangel am Wochenende auszugleichen. Natürlich nur, wenn wir ihm die Chance dazu bieten.

Lies auch, welche Maßnahmen Dr. Dr. Michael Despeghel gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen empfiehlt, und wie du mit einem ausgeglichenen Stoffwechsel gesund abnimmst!